Vorwort
Die damals als Ratgeber für junge Zahnärzte konzipierte Broschüre „Schritte in das zahnärztliche Berufsleben“ wurde letztmalig im Jahre 1997 in der dritten Auflage herausgegeben. Es liegt somit auf der Hand, dass eine Überarbeitung, wenn nicht sogar eine Neuauflage, dringend geboten erscheint. Die Forderung nach der Überarbeitung einer Publikation nach fast 10 Jahren bedarf eigentlich grundsätzlich keiner Begründung. Dafür ist die heutige Zeit in allen Bereichen viel zu schnelllebig. Dennoch soll nicht verschwiegen werden, dass gerade im Bereich der Führung einer Zahnarztpraxis die „Halbwertszeit“ von Empfehlungen noch viel kürzer ist. Dies bezieht sich sowohl auf den zahnmedizinisch-fachlichen Bereich, als auch auf den unternehmerischen Teil Ihrer zukünftigen Tätigkeit.
Mit dem letzten Halbsatz ist sozusagen nebenbei zum Ausdruck gebracht, warum sich unserer Ansicht nach der Schritt in das Berufsleben für den angehenden Zahnarzt im Hinblick auf die auf ihn einströmenden Anforderungen doch erheblich von den Anfangsproblemen der meisten anderen Berufsanfänger unterscheidet. In jedem Beruf ist zunächst einmal das durch die entsprechende Ausbildung vermittelte Wissen sowie die erlernten Fähigkeiten als Grundlage für eine erfolgreiche Ausübung des erlernten Berufes zu bezeichnen. Diese Grundlage haben Sie gerade durch das bestandene Staatsexamen geschaffen. Hierzu möchten wir Ihnen zunächst einmal von ganzem Herzen gratulieren. Genießen Sie das momentan vorhandene Glücksgefühl, die Strapazen des Studiums als überstanden ansehen zu können. Der Einstieg in das Berufsleben wird Sie schnell genug mit neuen, viel größeren Aufgaben konfrontieren. Während der nun vor den meisten von Ihnen liegenden Assistententätigkeit in der Praxis eines niedergelassenen Kollegen werden Sie innerhalb einer Woche vermutlich deutlich mehr Patientenkontakte haben, als dies während Ihres gesamten Studiums der Fall war. Nutzen Sie diese Zeit, idealerweise unter der Anleitung eines erfahrenen und versierten Kollegen, um das erlernte Fachwissen in entsprechende Therapiemaßnahmen zu übertragen, um Ihre manuellen Fähigkeiten zu perfektionieren und nicht zuletzt insbesondere um einen Einblick in das weite Gebiet der Praxisführung zu erhalten.
Der eingangs erwähnte Unterschied zu den meisten anderen Berufsgruppen liegt in der Tatsache begründet, dass Sie als Zahnarzt im Regelfall bereits nach relativ kurzer Zeit den Schritt in die Selbstständigkeit und somit in die Freiberuflichkeit wagen werden. Ein Schritt, auf den Sie normaler Weise nicht vorbereitet sind. Die vor Ihnen liegende Broschüre soll Ihnen dabei helfen, diese bestehende Lücke zumindest mit einigen grundsätzlichen Informationen zu schließen. Schon die Lektüre des Inhaltsverzeichnisses wird Ihnen deutlich machen, dass die von Ihnen bei der Führung einer Praxis in Zukunft zu berücksichtigen Themenfelder wesentlich mehr Inhalte betreffen, als Sie dies vermutet hätten.
Diese Broschüre stellt kein vollständiges Nachschlagewerk und auch kein allumfassendes Kompendium dar. Sie soll vielmehr einen ersten Überblick geben und ggf. weitere Informationsquellen aufzeigen. Lassen Sie sich von der Vielzahl der Themen nicht verwirren und versuchen Sie sich schon jetzt an den Gedanken zu gewöhnen, dass ein immer größer werdendes Teilgebiet Ihres Aufgabenspektrums nicht primär mit Zahnheilkunde zusammenhängt. Leider ist auch dem allenthalben propagierten Bürokratieabbau nicht der Erfolg gegönnt, der ihm zu wünschen wäre – ganz im Gegenteil. Es entsteht leicht der Eindruck, dass die Zahl der Regelungen und deren Umfang immer weiter zunimmt. Diese in manchen Bereichen schon als Gängelung zu bezeichnende Situation lässt teilweise kaum noch Platz für die dem zahnärztlichen Berufsstand eigentlich zugehörige Freiberuflichkeit.
Doch allen Widrigkeiten zum Trotz möchte ich ganz persönlich auch auf die immer noch vorhandenen schönen Seiten unseres Berufes hinweisen. Einen wesentlichen Anteil stellt hier das Zahnarzt/ Patienten-Verhältnis dar, das als unverzichtbaren Baustein das weitgehende Vertrauen des Patienten zum Inhalt hat. Aufbauend auf diesem Vertrauen ist es dem Zahnarzt erst möglich, den Patienten individuell zu beraten und ihn der im Einzelfall jeweils erforderlichen und für ihn besten Therapie zuzuführen. Wichtig für eine möglichst große Berufszufriedenheit ist darüber hinaus die richtige Weichenstellung zu Beginn des Berufslebens, auch und insbesondere im Hinblick auf die von Ihnen zu treffenden unternehmerischen Entscheidungen.
Es gibt somit einige Gründe, Ihnen die Lektüre unserer kleinen Broschüre „Der Weg in die Freiberuflichkeit – Praxisführung“ ans Herz zu legen. Sollte es uns gelungen sein, Ihnen hiermit den Eintritt in die Selbstständigkeit etwas zu erleichtern, so wäre das Ziel dieser Broschüre erreicht. In diesem Sinne möchten wir Ihnen viel Erfolg bei den vor Ihnen stehenden Entscheidungen und uns allen den Erhalt der Freiberuflichkeit unseres Berufsstandes wünschen.
Mit freundlichem Gruß
Ihr Kollege
Dr. Dr. Jürgen Weitkamp
Ehrenpräsident der Bundeszahnärztekammer & Gründungsmitglied des BdZA
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