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Die private Vorsorge und die Versicherungen für den Praxisgründer und seine Praxis

Autor: Karl-Heinz Silbernagel

Sicherheit für den Chef und für die Praxis

Die eigene Praxis – das ist die Idee. Dann wird gerechnet, ein Businessplan wird erstellt, das Praxiskonzept im Detail ausgearbeitet und schließlich entschieden: Die Startphase in die Selbständigkeit kann beginnen.

Selbständig als Zahnarzt. Allerdings: Der Schritt in die Selbstständigkeit ist für den jungen Zahnarzt ein ganz besonderes Ereignis. Es ist ein bedeutender und (hoffentlich) einmaliger Schritt im Berufsleben. Bestens ausgebildet und erfahren in der zahnmedizinischen Behandlung, sind junge Praxisgründer nun in unternehmerischer, betriebswirtschaftlicher und rechtlicher Hinsicht gefordert.

Viele Faktoren beeinflussen den zukünftigen wirtschaftlichen Weg. Denn unternehmerische Risiken sind von nun an die Wegbegleiter des Praxisgründers. Diese gilt es zu erkennen, zu begrenzen bzw. auszuschalten. Ungeschützt kann alles auf dem Spiel stehen: Die Praxis wie auch die persönliche Lebensplanung.

Im Folgenden ist über verschiedene Versicherungen zu sprechen, die dem Praxisinhaber zur Verfügung stehen, um sich gegen private und berufliche Risiken finanziell abzusichern. Eines aber vorab: Die Beratung eines kompetenten Repräsentanten einer Versicherung, die sich idealerweise auf den Heilberufesektor spezialisiert hat, können diese „Hinweise“ nicht ersetzen. Zu individuell sind die Anforderungen und Ansprüche eines jeden Zahnarztes und die seiner Praxis.


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Von tragbaren und existentiellen Risiken


Die Chancen des Marktes zu nutzen und deren Risiken richtig einzuschätzen sind die Determinanten der Freiberuflichkeit. Hier ist von den Risiken die Rede, deren Bewertung eine individuelle Risikoanalyse voraussetzen. Abgesehen von den Risiken, deren Absicherung gesetzlich bzw. nach der Berufsordnung der Zahnärztekammern vorgeschrieben ist, können unter Kosten/Nutzen-Erwägungen zunächst zwei Unterteilungen getroffen werden:


• Ein Risiko kann als tragbar beurteilt werden, das heißt, im Schadenfall kann der finanzielle Schaden aus der eigenen Kasse bezahlt werden

oder

• die finanzielle Belastung kann im Schadenfall so hoch sein, dass sie zueiner existentiellen Gefahr für die Praxis werden kann und daher durch eine Versicherung abzusichern ist.

Es kommt also immer auf die finanzielle Belastung an. Risiken, die die Existenz bedrohen könnten, müssen versichert werden. Um diese Risiken geht es im Folgenden.

Erster Gefahrenschwerpunkt: Die Absicherung des Praxisdarlehens Hier gibt es keine Überlegungen hinsichtlich der Risikolage. Eine Bank wird und muss bei einer Kreditvergabe Sicherheiten verlangen. Der Praxisgründer wird mit einem Existenzgründungs- und Finanzierungskonzept vorsprechen und überzeugen müssen. Ein Trost: Über 80 Prozent aller Existenzgründungen in Deutschland werden finanziert. Auch die meisten Zahnärzte können ihre Praxis nur mit einer Finanzierung realisieren.

Die richtige Finanzierungsstrategie will wohl überlegt sein, denn schließlich muss der junge Zahnarzt in der Regel ein beträchtliches Darlehen aufnehmen. Eine nach wie vor finanziell und vor allem auch steuerlich attraktive Möglichkeit ist, das Darlehen über eine Versicherung zu tilgen. Das Prinzip ist einfach: Die Tilgung des Bankdarlehens erfolgt zu einem festgelegten Zeitpunkt über die Ablaufleistung der Versicherung oder einen Rückkaufswert dieser parallel abgeschlossenen Absicherung.


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Das Praxiskonzept

Die Deutsche Ärzteversicherung entwickelte das „Praxiskonzept“ das sowohl die finanziellen und steuerlichen Komponenten als auch die Akzeptanz-Kriterien einer Bank berücksichtigt. Mit dem „Praxiskonzept“ hat der Praxisgründer

• ein vorteilhaftes Finanzierungsmodell für die eigene Praxis

• finanziellen Spielraum bei der Gestaltung der Altersvorsorge und

• hervorragende Optionen für eine zukünftige Immobilienfinanzierung.

Und so funktioniert das Konzept: Die Beiträge können wahlweise

• in eine konventionelle Rentenversicherung

• in die „Relax Rente“ mit garantierter Rückzahlung der Beiträge oder

• in eine Fondspolice mit hohen Renditechancen

investiert werden. So wird ein Guthaben aufgebaut, das zur einmaligen Tilgung des Praxisdarlehens am Ende der Laufzeit benötigt wird. Wird das Darlehen nicht getilgt, sondern zum Beispiel bis zum 62 Lebensjahr des Darlehensnehmers weitergeführt, so ist der steuerliche Ertrag nur zur Hälfte zu versteuern. Die Summe, die nicht zur Tilgung notwendig ist, kann für die zusätzliche Altersvorsorge und/oder zur Entschuldung einer privaten Immobilie genutzt werden.


Ein Beispiel

Ein 35-jähriger Zahnarzt nimmt ein Darlehen über 150.000 Euro zur Finanzierung seiner Praxis bei der Bank auf. Die Absicherung will er über das „Praxiskonzept“ machen. Er vereinbart eine Todesfallleistung von 150.000 Euro
und eine Laufzeit bis zum Alter 62. Unter diesen Voraussetzungen ist eine monatliche Prämie von 1.221 Euro zu bezahlen. Unter bestimmten Bedingungen (erwirtschaftete Überschüsse in der Rentenversicherung, Wertsteigerung der „Relax Rente“, persönlicher Steuersatz des Darlehensnehmers)
ergibt sich nach 10 Jahren ein Nettorückkaufswert von 150.000 Euro, der zur Tilgung des Darlehens bei der Bank verwendet werden kann. Vorteilhafter ist es nun allerdings, das Darlehen z.B. für weitere Praxisanschaffungen oder zur Finanzierung einer privaten Immobilie zu prolongieren oder die private Altersvorsorge weiter aufzubauen. Dann stünde im Alter von 62 Jahren ein Kapital von ca. 759.000 Euro zur Verfügung- davon sind ca. 393.500 Euro garantiert.

Ein Teil kann dann zur Tilgung es Praxisdarlehens verwendet werden, wobei der Ertrag der Ansparphase nur hälftig zu versteuern wäre. Der andere Teil kann ebenfalls – bei Versteuerung der Erträge – ausgezahlt und privat verwendet werden. Oder man lässt das freie Kapital verrenten, denn dann wären die Erträge der Ansparphase steuerfrei. Auch die Rente müsste nur zum Teil individuell versteuert werden.

Das Fazit: Die richtige Strategie einer Praxisfinanzierung ist entscheidend für den langfristigen Erfolg der Praxis. Eine falsche Entscheidung zu Beginn lässt sich nur noch schwerlich korrigieren. Unumgänglich ist eine professionelle Beratung durch einen in dieser Materie kompetenten Experten.

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Zweiter Gefahrenschwerpunkt: Die Arbeitskraft des Chefs

Ohne die Arbeitskraft des Zahnarztes läuft nichts. Wird der Chef berufsunfähig, sei es durch Unfall oder Krankheit, kommt kein Geld in die Kasse und die Praxis muss vorübergehend oder sogar auf Dauer geschlossen werden.

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Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist die finanzielle Absicherung bei Einkommensausfällen. Und nicht umsonst verkünden Verbraucherschützer und Versicherer unisono die Wichtigkeit dieser Versicherung. Sie ist für den Praxisgründer ein „Muss“.

Die Grundabsicherung für den Zahnarzt ist die obligatorische berufsständische Absicherung über sein Versorgungswerk. Allerdings könnte diese Leistung dem Umfang und der Höhe nach nicht seinen Ansprüchen und Erwartungen entsprechen.

Eine private BU ist dann eine sinnvolle Ergänzung. Sie leistet nämlich nicht nur dann, wenn der Beruf des Zahnarztes bei 100 %iger Berufsunfähigkeitüberhaupt nicht mehr ausgeübt werden kann, sondern auch bei lediglich teilweiser Berufsunfähigkeit.

Durch eine private BU mit einem passenden Leistungsangebot lassen sich die damit programmierten finanziellen Belastungen absichern. Der Zahnarzt kann mit einem garantierten monatlichen Ersatzeinkommen rechnen, das er nach seinem persönlichen Bedarf vereinbart – zusätzlich kann auch eine garantierte Steigerung der BU-Rente in Höhe von 1 bis 3 Prozent p.a. vereinbart werden. Er muss keine Wartezeiten berücksichtigen, sondern hat sofortigen vollen Leistungsanspruch. Vor allem aber bekommt er die volle vereinbarte Leistung bereits ab 50 Prozent Berufsunfähigkeit. Eine Reihe weitere Leistungen „Ohne Wenn und

Aber“ sind im Berufsunfähigkeitsschutz der Deutschen Ärzteversicherung enthalten – und zwar in ganz zahnarztspezifischen Detailbereichen. So zum Beispiel bei einer Hepatitis-Infektion, ohne dass ein behördliches Tätigkeitsverbot ausgesprochen werden muss.

Als Fazit lässt sich festhalten: Bei der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung kommt es nicht nur auf die zu zahlende Prämie, sondern auch und vor allem auf die Bedingungen an. Die Qualität steht im Vordergrund.

Zu prüfen ist:

• ist das Versicherungsunternehmen spezialisiert auf den Heilberufesektor

• bietet es zahnarztspezifische Bedingungen

• wurde und wird die BU-Versicherung von einem zahnärztlichen Berufsverband geprüft und empfohlen

• hat es einen unabhängigen ärztlichen/zahnärztlichen Beirat, der bei

Meinungsverschiedenheiten im Leistungsfall als unabhängiger „Ombudsmann“ die Interessen des Zahnarztes vertritt.



Private Unfallversicherung

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Die Arbeitskraft des Praxisinhabers kann durch einen Unfall erheblich und sogar auf Dauer beeinträchtigt werden. Die Absicherung über eine Unfallversicherung ist deshalb sinnvoll, um die dadurch ausgelösten wirtschaftlichen Folgen abzufedern.

Niedergelassene Zahnärzte können sich bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) versichern – es besteht allerdings keine Pflichtmitgliedschaft. Deren Leistungspalette ist allerdings auch im Gegensatz zur privaten Unfallversicherung sehr begrenzt.

Die private Unfallversicherung bietet eine Vielzahl von Leistungsbausteinen. Sie gilt – anders als die gesetzliche Unfallversicherung – rund um die Uhr, also im Beruf und in der Freizeit und das weltweit. Wie schon der Name sagt, werden Leistungen ausschließlich nach Unfällen gezahlt, nicht aber bei Berufsunfähigkeit infolge einer Krankheit. Bleiben als Folge eines Unfalles dauerhaft gesundheitliche Schäden zurück, wird die sogenannte Invaliditätsleistung fällig.
Schon ab einer festgestellten Teilinvalidität wird ein entsprechend vereinbarter Kapitalanteil bezahlt – und das schon ab einem Invaliditätsgrad von 1 Prozent.

Für Zahnärzte werden Spezialbedingungen geboten, um wichtige zahnarztspezifische Leistungen bzw. Risiken einzuschließen. Zum Beispiel lässt sich vereinbaren:

• verbesserte zahnarztspezifische Gliedertaxe

• Überproportional steigende Invaliditätsentschädigung

• Unfälle bei Rettung von Menschenleben, infolge erhöhter Kraftanstrengung und im Umgang mit Röntgen- und Laserstrahlen

• Mitversicherung besonderer Infektionskrankheiten

• Vorschuss bei schwerwiegenden Unfallverletzungen

• Kosten für kosmetische Operationen

• Bergungskosten

• Reha-Management

• Unfallkrankenhaustagegeld mit und ohne Genesungsgeld.

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Krankentagegeldversicherung

Wenn der Zahnarzt arbeitsunfähig wird, drohen sofort Umsatzeinbußen. Die Krankentagegeldversicherung sichert das Einkommen des Praxisinhabers.

Das Tagegeld kann bis zur Höhe des Nettoeinkommens vereinbart werdenund wird bezahlt, ob der Zahnarzt als Patient im Krankenhaus liegt oder wegen Arbeitsunfähigkeit zuhause behandelt wird. Als Zahlungsbeginn kann mit dem Versicherer ein Tag X nach der festgestellten Arbeitsunfähigkeit vereinbart werden.

Der Versicherungsbeitrag richtet sich nach der Höhe des Tagegeldes, dem

Zeitpunkt der Zahlung, nach der festgestellten Arbeitsunfähigkeit, dem Eintrittsalter und dem Geschlecht. Zu beachten ist, dass die Höhe des vereinbarten Tagegeldes das Nettoeinkommen nicht übersteigen darf, denn im

Schadenfall ist dieses nachzuweisen.

Für Existenzgründer ist das Krankentagegeld als Kompensation für das ausbleibende persönliche Einkommen
unverzichtbar. Um die Höhe der Prämie und der notwendigen Versicherungsleistungen richtig auszutarieren, müssen die familiären Aufwendungen, die persönliche Risikomentalität und die finanziellen Reserven berücksichtigt werden.

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Dritter Gefahrenschwerpunkt: Der laufende Betrieb der Praxis

Das Einkommen des Zahnarztes im Krankheitsfall wird – siehe oben – durch das Krankentagegeld abgesichert. Doch wie ist es mit den fortlaufenden Kosten der Praxis? Schnell können diese Kosten einen sechsstelligen Betrag erreichen.

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Praxis-Ausfallversicherung

Die laufenden Kosten einer Praxis übernimmt die Praxis-Ausfallversicherung und zwar bei

• Krankheit oder Unfall des Praxisinhabers

• Quarantäne

• Feuer-, Sturm- und Hagelschäden

• Leitungswasserschäden

• Einbruchdiebstahl und Raub.

Bezahlt werden die fixen Betriebskosten wie

• Miete bzw. Pacht

• Personalkosten

• Bürokosten wie Reinigung, Strom, Gas, Wasser, Heizung, Telefon

• Buchhaltungskosten

• Versicherungsprämien

• Steuern und Abgaben sowie

• Finanzierungskosten und Leasingraten.


Die Praxis-Ausfallversicherung wird bedarfsgerecht in unterschiedlichen Varianten angeboten – je nachdem, ob zum Beispiel ausschließlich die Kosten eines Praxisvertreters abgedeckt werden sollen bis hin zu einer umfassenden Absicherung. Andererseits können auch ganz gezielt einzelne Leistungselemente ausgeschlossen werden, wenn diese schon über andere Versicherungen abgedeckt sind. Das wirkt sich natürlich beitragsmindernd aus.

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Elektronik-Versicherung

Die Elektronik-Versicherung wird oft nur als „Kann“-Versicherung eingestuft, also als eine Versicherung, die nicht unbedingt sein muss. Eine Fehleinschätzung. Die technischen Geräte – von der vernetzten EDV-Anlage bis zu dem Röntgengerät haben in der Zahnarztpraxis ein hohes Investitionsvolumen.

Die Elektronik-Versicherung deckt Schäden, die aufgrund von

• Verschmoren, Versengen, Kurzschluss oder Überspannung,

• Fahrlässigkeit oder unsachgemäße Handhabung,

• vorsätzliche Handlungen Dritter oder

• Wasser

am Gerät auftreten können. Zu beachten sind die Angebote von Spezialanbieter, die Selbstbehalte zulassen um dadurch die Prämie zu reduzieren. Praxisgründer erhalten oft auch Sonderrabatte.

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